Fast jeder kennt die Situation. Jemand hat einen Menschen verloren und man weiß nicht, was man sagen soll. Also sagt man lieber nichts. Genau das tut am meisten weh.
Warum viele schweigen
Trauernde berichten uns immer wieder, dass Nachbarn die Straßenseite wechseln und Kollegen im Aufzug plötzlich auf ihr Handy schauen. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Unsicherheit. Man will nichts Falsches sagen, nicht in eine Wunde fassen, nicht aufdringlich sein.
Für den trauernden Menschen fühlt es sich anders an. Er erlebt es als zweiten Verlust: erst stirbt der Mensch, dann verschwinden auch noch die Lebenden.
Die gute Nachricht ist: Es gibt keinen richtigen Satz. Es geht nicht um Rhetorik, sondern darum, dass Sie da sind.
Was hilft
- Den Namen nennen. „Ich habe von Martins Tod gehört." Trauernde haben oft Angst, dass der Mensch vergessen wird. Wer den Namen ausspricht, nimmt diese Angst.
- Zugeben, dass man ratlos ist. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll, aber ich denke an dich." Das ist ehrlich und immer besser als Schweigen.
- Zuhören und aushalten. Sie müssen nichts lösen. Auch Tränen und langes Schweigen sind in Ordnung.
- Erinnerungen teilen. „Weißt du noch, wie er immer …" Solche Sätze sind Geschenke. Trauernde hören gerne Geschichten, die sie noch nicht kannten.
- Wiederkommen. Die meisten Anrufe kommen in den ersten zwei Wochen. Danach wird es still. Melden Sie sich auch nach drei Monaten noch.
Was verletzt
Die folgenden Sätze sind gut gemeint und kommen trotzdem schlecht an. Meistens, weil sie die Trauer bewerten oder abkürzen wollen.
- „Das Leben geht weiter."
- „Es war ja eine Erlösung."
- „Zum Glück hattet ihr noch so viel Zeit."
- „Ich weiß genau, wie du dich fühlst."
- „Du musst jetzt stark sein."
- „Melde dich, wenn du etwas brauchst."
Der letzte Satz ist der häufigste und der wirkungsloseste. Wer trauert, meldet sich nicht. Die Kraft dafür fehlt und die Hemmung ist zu groß. Machen Sie stattdessen ein konkretes Angebot.
Statt „Melde dich": „Ich komme am Donnerstag um 17 Uhr vorbei und bringe Suppe mit. Wenn es nicht passt, schreib mir einfach ab."
Praktische Hilfe statt Floskeln
In den ersten Wochen fehlt Trauernden oft die Kraft für ganz alltägliche Dinge. Hier können Sie mehr bewirken als mit jedem Gespräch.
- Einkaufen gehen oder etwas Gekochtes vorbeibringen
- Die Kinder für einen Nachmittag mitnehmen
- Beim Ausfüllen von Formularen helfen
- Zum Amt oder zur Bank mitgehen
- Den Rasen mähen, den Hund ausführen, das Auto zur Werkstatt bringen
- Einfach dasitzen und nichts sagen
Die Zeit danach
Trauer verläuft nicht in Phasen, die man abhakt. Sie kommt in Wellen. Nach vier Monaten kann es schlimmer sein als nach vier Wochen, weil dann alle anderen wieder im Alltag sind.
Besonders schwer sind die ersten Jahrestage: der erste Geburtstag ohne ihn, das erste Weihnachten, der Todestag. Wenn Sie an diesen Tagen eine kurze Nachricht schicken, bedeutet das oft mehr als jede Beileidskarte.
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Trauer ist keine Krankheit. Sie braucht Zeit, nicht Behandlung. Es gibt aber Signale, bei denen Unterstützung von außen hilft:
- Wenn nach vielen Monaten keinerlei Alltag zurückkehrt
- Wenn jemand sich vollständig zurückzieht
- Bei Schlaflosigkeit über Wochen, starkem Gewichtsverlust oder Alkohol als Hilfe
- Wenn Gedanken auftauchen, selbst nicht mehr leben zu wollen
In und um Speyer gibt es Trauergruppen, Trauercafés und ausgebildete Trauerbegleiterinnen. Wir kennen die Angebote und stellen den Kontakt her. Rufen Sie einfach an, auch wenn die Bestattung schon lange zurückliegt.
Bei akuten Krisen erreichen Sie die Telefonseelsorge rund um die Uhr und kostenfrei unter 0800 1110111 oder 0800 1110222.
Häufige Fragen
Ja. Jeder Mensch, der kommt, zeigt der Familie, dass der Verstorbene wichtig war. Sie müssen nichts sagen. Ein Händedruck reicht.
Am besten etwas Persönliches über den Verstorbenen. Eine kleine Erinnerung, eine Eigenschaft, die Ihnen in Erinnerung geblieben ist. Zwei ehrliche Sätze sind mehr wert als ein gedrucktes Gedicht.
Unbedingt. Viele Trauernde sehnen sich nach Normalität und danach, auch mal zu lachen. Folgen Sie einfach dem, was Ihr Gegenüber vorgibt.
Ehrlich und in einfachen Worten. Vermeiden Sie Umschreibungen wie eingeschlafen, das macht Kindern Angst vor dem Zubettgehen. Kinder trauern in Sprüngen: eben noch weinen, gleich darauf spielen. Das ist normal.